Donaulimes - Römisches Vermächtnis in Tulln

Römische Erinnerungen auf Schritt und Tritt 

2.000 Jahre alte Steintürme, anmutige Gefäße, Statuetten, Schmuck. In und um Tulln folgt man den Spuren der Römer. Und bekommt spannende Einblicke in deren Lebenskultur. 

UNESCO-Weltkulturerbe Donaulimes

Am 30. Juli 2021 wurde der Donaulimes in Deutschland, Österreich und der Slowakei in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Der Donaulimes ist Teil der Grenzen des Römischen Reiches, die ganz allgemein als Limes bezeichnet werden.

Stadtgemeinde Tulln, Donaulimes

Rund um Christi Geburt: römische Soldaten, Händler und Bauern mit ihren Familien besiedeln die strategisch besten Orte entlang des Donaulimes. 500 Jahre lang schützten sie die Nordgrenze ihres Reichs vor Barbareneinfällen und betreiben regen Handel. 

Einfach antik

Wie gut sich die Römer aufs Bauen verstanden, zeigt ein Rundgang durch Tulln – und ein Besuch im Römermuseum. 2.000 Jahre konnten dem mächtigen, aus Steinen erbauten Römerturm nichts anhaben. Er zählt, als eines der ältesten Gebäude Österreichs, zu den wenigen erhaltenen antiken Bauten nördlich der Alpen. Überreste der Befestigungsmauern lassen auch die Dimensionen des Kastells Comagenis erahnen. 1.000 Reiter standen hier im Dienst – mehr Menschen, als es damals in den meisten Ortschaften gab. Sie waren eine gute Einkommensquelle für Händler und Bauern, die rund um das Kastell lebten.

Stadtgemeinde Tulln, Kastell

Einfach entdeckenswert

In Zeiselmauer, von Tulln aus per Rad am Donauradweg erreichbar (ca. 10 km), beeindrucken ebenfalls die steinernen Überreste eines Kastells.

Weiter geht´s entlang des Schubert-Radweges (68 km) nach Zwentendorf, wo Kaiser Marc Aurel ein Reiterkastell errichten ließ. Zu guter Letzt erinnern in Traismauer das mächtige Römertor und der Hungerturm an das Kastell Augustianis.  

Römerturm und Doppeltor

STUMME ZEUGEN DER VERGANGENHEIT

Der "Römerturm" (früher auch "Salzturm" genannt) ist der hufeisenförmig vorspringende Flankenturm des Tullner Römerlagers Comagena zur Sicherung der westlichen Lagermauer, der aus der Zeit um 300 n.Chr. stammt. Er gehört daher zu einer späten Ausbaustufe des Lagers in Steinbauweise. Der Turm diente im Mittelalter zur Sicherung des Landplatzes an der Donau.

Später wurde er das Zeughaus der Stadt und als Salzlager (daher die volkstümliche Bezeichnung "Salzturm") verwendet. 1929 bis 1967 war er Gottesdienstraum für die evangelische Pfarrgemeinde und heute ist er Vereinslokal der Studentenverbindung "Comagena".

ORIGINAL BIS UNTERS DACH

Der Turm wurde 1984 renoviert. Dabei stellte sich heraus, dass die römischen Mauern bis zum Dachansatz original erhalten sind. Damit zählt er zu den wenigen voll erhaltenen antiken Gebäuden nördlich der Alpen und ist eines der ältesten Gebäude Österreichs. Die Besichtigung des Turmes ist nur von außen möglich.

PORTA PRINCIPALIS DEXTRA

Reist man 2.000 Jahre in die Vergangenenheit, betritt man hier das Reiterlager Comagena: Durch die Porta Prinzipalis Dextra. Die Überreste des östlichen Lager-Doppeltores sind stumme, täglich zu besichtigende Zeuge des römischen Reiches in Tulln. Die Anlage wurde von zwei Toren und zwei Türmen geschützt. Erhalten sind neben dem Fundament auch ein Keilstein des Bogens und der mittlere Auflagestein für beide Bögen. 

Das Baumaterial ist Wienerwald-Sandstein. Die vorher geglätteten Steine wurden mit römischem Mörtel (Sand, Wasser, Kalk) aufgemautert und verputzt.