Kunst und Garten harmonisch vereint

 
Kunst im Garten

Kunst im Garten

Ein denkender Affe im Grünen, ein Labyrinth versteckt zwischen alten Baumriesen und Wegweiser nach Kanada im Auwald – das erwartet den Besucher, wenn er die Verbindung von Kunst und Garten in Tulln erleben möchte.

Auf Einladung von „Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich“ haben sich fünf Künstler und Künstlerinnen auf die Verbindung von Kunst und Garten eingelassen und dabei spannende Werke geschaffen. Zum Teil frei zugänglich im Tullner Wasserpark und zum Teil am Gelände der GARTEN TULLN, laden sie zu einem Erlebnis-Spaziergang in der grünen Garten- und Kunststadt Tulln.  

Kunstwerke im Wasserpark:

„Conversation“ – Klaus Weber

Weit draußen, auf einer Lichtung des Tullner Wasserparks, hockt ein Affe. Er sitzt auf einem Stapel Bücher und betrachtet einen menschlichen Totenkopf. Auch ein Zirkel und eine Glühbirne sind zu sehen. Geschaffen von dem Berliner Künstler Klaus Weber, ist der philosophierende Affe ein Motiv des 19. Jahrhunderts und verweist auf Charles Darwins Theorie, dass der Mensch vom Affen abstammt. Die Skulptur soll als Kritik am anthropozentrischen Weltbild gesehen werden – also daran, dass der Mensch sich selbst im Mittelpunkt der weltlichen Realität sieht. Der Affe regt zum Nachdenken an: Wer sind wir? Wie ist unser Verhältnis zu Natur und zur Welt?

„From Gasoline to Sugar Beet“ – Nils Norman

Die Skulpturen des britischen Konzeptkünstlers Nils Norman tarnen sich als Leitsystem, als harmlose Verkehrstafeln an Wegkreuzungen. Interessant sind aber die Aufschriften: Ein Pfeil zeigt in Richtung Atomkraft, in die andere Richtung geht’s zur Wasserkraft. Hier geht’s nach Brasilien, hinter den Arabischen Emiraten liegt noch die Erdwärme. Die Idee hinter dieser faszinierenden Installation: Im Gestrüpp aus energieproduzierenden Ländern, teuren Rohstoffen und alternativen Energien liegen viele Fragen brach. Mit seiner Chaosmetapher verweist Norman auf die permanente Ölkrise und die Hoffnung durch alternative Energieformen.

Kunstwerke am Gelände der GARTEN TULLN:

„Flat World!“ – Dan Perjovschi

Der rumänische Künstler Dan Perjovschi versteht die Welt, indem er sie zeichnet. Aus ein paar schnell hingeworfenen Linien und wenigen, knappen Worten werden ironische Kommentare zu Gesellschaft, Politik und Kultur. In Tulln hat Perjovschi eine seiner seltenen permanenten Arbeiten realisiert, denn er definiert sich als performativer Künstler, für den die Aktion, also das Zeichnen selbst, der wesentliche Teil eines Projekts ist. Aus 200 Keramikfliesen, die mit kritischen Anmerkungen des Künstlers zum Klimawandel dekoriert sind, baut der Künstler eine Art Tanzboden. Das performative Element geben in diesem Fall die BetrachterInnen ab: Sie drehen und wenden sich, wenn sie das Kunstwerk betrachten.

„Daphne“ – Ines Doujak

Die österreichische Künstlerin Ines Doujak zeigt das Wechselspiel von Natur und Kultur, symbolisiert durch die Geschichte der Nymphe und jungfräulichen Jägerin „Daphne“ aus der griechischen Mythologie: Auf einem Holzschemel sitzt sie im Teich hinter dem Besucherzentrum der GARTEN TULLN und legt eine Zigarettenpause ein, während sich die Metamorphose in einen Lorbeerbaum an ihren Fingerspitzen ankündigt – um diese Verwandlung hatte sie ihren Vater, den Flussgott Peneios dem Mythos zufolge gebeten. Gleich wird sie das großmaschige Netz um ihre Taille auswerfen, um Beute zu machen.

„Deep in Things“ – Emese Benczur

Emese Benczúr stammt aus Ungarn und hat in Budapest Malerei studiert – ihr künstlerisches Werkzeug ist aber die Nadel, nicht der Pinsel: Sie näht und stickt. In Tulln hat sie sich in den Raum begeben: Über ein Gerüst ist ein Moskitonetz gespannt. Durch einen schmalen Eingang gelangt man ins Innere einer luftigen Skulptur und durch ein Labyrinth parallel aufgespannter Netze in ein Gartenzimmer, das offen und geschlossen zugleich ist. Hier wird der Satz „Deep in Things“ lesbar, der durch die Überlagerung der Netze gebildet wird. Die Künstlerin spielt damit auf die sinnlichen Aspekte der Sprache an, verbirgt sie und macht sie wieder sichtbar.

Fotos: (c) Christian Wachter, 2009

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