Tulln

III Alte Volksschule

Lehrjahre oder: Egon und das Notendebakel

Hier erfahren Sie: Was Egon unter der Schulbank trieb. Wer seine künstlerische Begabung erkannte. Weshalb er durchfiel, ohne durchzufallen. Und warum er für die Kunstgewerbeschule zu talentiert war.

Egons Volksschulklasse, Schuljahr 1898-99 (© Archiv Leopold Museum, Wien)

Ingenieur soll er werden. Wenn es nach den Wünschen seines Vaters geht. Künstler will er sein. Und ist bereit, dafür zu kämpfen. Mit Stiften und Pinseln bewaffnet geht Egon in die Schule. Malt und zeichnet heimlich unter der Schulbank, statt sich beim Rechnen und Schreiben hervorzutun. Die Lehrer beschweren sich. Die Eltern kalmieren. Das erste Jahr im Gymnasium in Krems wird zum Desaster. Egons Vater nützt seine gesellschaftliche Stellung als Bahnhofsvorstand in Tulln und ermöglicht dem Buben einen Schulwechsel nach Klosterneuburg. Dort schreibt er weiter schlechte Noten. Doch zwei Lehrer erkennen sein Talent.

 

Lehrer der Volks-Bürgerschule, 1898
Alte Volksschule
Egon Schiele mit Palette 1906
Egon Schiele, Eisenbahn in Tulln, um 1900
Egon Schiele, Eisenbahnzüge, um 1906

 

Auf nach Wien!

Dem Zeichenlehrer Ludwig Karl Strauch eilt der Ruf eines strengen Professors voraus. Bei Egon drückt er beide Augen zu. Gemeinsam mit dem Religionslehrer Wolfgang Pauker, einem kunstsinnigen Augustiner Chorherrn, fördert und fordert er den jungen Maler. Auf nach Wien! Bewerbung in der Kunstgewerbeschule! Auch wenn der verstorbene Vater andere Pläne mit seinem Stammhalter hatte. Egon ist zu diesem Zeitpunkt schwer verliebt. Und arbeitet wie besessen an einem Skizzenbuch, das er Margarete Partonek widmet. Den Weg nach Wien ebnet ihm allerdings eine andere Frau: seine Mutter. Dank ihrer Hilfe verlässt er die Schule trotz Notendebakels mit einem positiven Abschlusszeugnis. 

Olymp der Künstler.

Herbst 1906. Die Zeichenmappe ist fertig. Der große Tag ist gekommen. Doch dann geschieht das Unerwartete. Die Juroren an der Kunstgewerbeschule lehnen Egons Bewerbung ab. Mangelndes Talent? Ganz im Gegenteil. Zu talentiert für diese Lehranstalt, ist das einhellige Urteil. Man legt ihm nahe, sich an der Akademie der bildenden Künste zu bewerben. Dem Olymp für jeden jungen Maler. Strauch und Pauker lassen ihre Beziehungen spielen. Das Skizzenbuch überzeugt. Und Egon hat die erste große Hürde auf dem Weg zum heiß ersehnten Künstlerleben gemeistert.

Plan Egon Schiele-Weg