Tulln

XI Römerturm

Stadtgeschichte oder: Egon und die alten Römer

Hier erfahren Sie: Warum sich die alten Römer in Tulln ansiedelten. Wo die Handelsschiffe im Mittelalter vor Anker gingen. Was Egons Familie dem Kaiser verdankte. Und wie ein Flankenturm zum Salzlager wurde.

Vollständig erhaltener Römerturm, um 1918

Gerade einmal viertausend Einwohner hat Tulln zu Egons Schulzeit. Keine große Stadt. Aber ein bedeutender Ort. Denn in den engen Gassen, entlang der alten Stadtmauer, lässt sich Geschichte mit den Händen fassen. Fast 2.000 Jahre steht er schon hier, der „Römerturm“, den die Tullner ihren „Salzturm“ nennen. Errichtet von den Baumeistern des römischen Kastells Comagenis, von dessen Wehrgang man das ganze Tullnerfeld überwachen kann. Mehr als 1.000 Reiter stehen hier im ersten Jahrhundert nach Christi Geburt im Dienst. Sie kontrollieren eine militärisch bedeutsame Furt über die Donau. Schützen den norischen Limes, die Nordgrenze des römischen Reiches, vor Barbareneinfällen. Und betreiben regen Handel mit den Bauern, die rund um das Kastell leben. 

Standfest und unverrückbar.

Vierhundert Jahre später, nach den Rugierfeldzügen, wird das Lager auf Befehl Odoakers geräumt. Der zehn Meter hohe, massige Flankenturm bleibt erhalten. Fast einen Meter dick sind seine Mauern. Standfest und unverrückbar ist er Teil der alten Stadtbefestigung. Die Siedlung hat allerdings mit den Soldaten auch ihre Bedeutung als römischer Außenposten verloren. Erst im Mittelalter erlebt Tulln wieder eine Blüte als Handelsstadt am Wasser. Weit und breit gibt es keine bessere Furt, um die Donau zu überqueren. Der große Markplatz zieht Kaufleute aus nah und fern ins Tullnerfeld. Und der mächtige Turm wird zur Sicherung des Landeplatzes für Fähren und Handelsboote genutzt.

Baby-Premiere im Bahnhof.

Doch die Donauschiffe sind langsam. Und das Queren der Furt mit kleinen Flößen ist gefährlich. Längst wird der Römerturm von den StadtbewohnerInnen als Zeughaus und Salzlager genutzt. Dann macht die Kaiser-Franz-Josefs-Bahn Tulln erneut zu einem bedeutenden Verkehrsknotenpunkt in der österreichisch-ungarischen Monarchie. Eine eiserne Bahn-Brücke spannt sich über den Fluss. Die Stadt wird zur Bezirkshauptmannschaft. Und einmal mehr zu einem Handelsplatz. Dem kaiserlichen Befehl zum Ausbau der Bahnstrecke verdankt Egons Vater seine Beförderung zum Bahnhofsvorstand von Tulln. Als erstes Baby, das direkt im Bahnhof geboren wird, kommt Egon 1890 zur Welt – in der großen Dienstwohnung mit Blick auf die Bahnsteige.

Hier geht es zu einem Ausschnitt des Videos "Der römische Limes im Tullnerfeld".

Plan Egon Schiele-Weg