Tulln

XII Römermuseum

Römerlatein oder: Egon und das kaiserliche Frauenstift

Hier erfahren Sie: Weshalb die Dominikanerinnen keine Geldsorgen hatten. Wo in Tulln der Irrsinn zuhause war. Warum Egons Vater vom Dienst enthoben wurde. Und wie das Römermuseum ins alte Kloster kam.

Sanatorium - heutiges Römermuseum und Jugendherberge

Wohin mit all den adeligen Mädchen, die nicht beizeiten unter die Haube kommen? Was tun mit den verwitweten Frauen aus dem gehobenen Bürgertum? Im kaiserlichen Frauenstift zu Tulln finden sie Aufnahme. Nicht zuletzt der Mitgift wegen, die jede der Stiftsdamen einzubringen hat. Und die sie von Gartenarbeit, Pflegedienst und Seelsorge befreit. Doch die Priorinnen des Dominikanerordens haben auch gute Beziehungen zum kaiserlichen Hof. 1443 erteilt ihnen der Habsburgerkönig Friedrich III. persönlich das Privileg, „jährlich zehn Fuder Wein nach Passau und zwei Pfund Salz mautfrei durch Österreich zu führen.“ Doch dann zerstört ein Brand das weitläufige Kloster und die stattliche Kirche. Beim Wiederaufbau verschulden sich die Ordensfrauen. Und müssen ihr Glaubens-Refugium am Ufer der Donau verlassen. 

Haupteingang zum Sanatorium
Sanatorium mit Gartenanlage
Parkanlage des Sanatoriums
Pavillion
Sanatorium mit Gartenanlage
Pflegepersonal
Eingang zu den Behandlungsräumen
Behandlungszimmer im Sanatorium
Pflegepersonal
Waschraum im Sanatorium

Dem Irrsinn verfallen.

Zu Egons Schulzeiten ist ein Sanatorium in den weitläufigen Räumen des ehemaligen Frauenstifts untergebracht. Wer hier behandelt wird, muss es sich leisten können. Viele der betuchten Patienten und Patientinnen laborieren an Nervenkrankheiten und Wahnvorstellungen. „Dem Irrsinn verfallen“, sagt der Volksmund. Wie Egons Vater, der an den Spätfolgen einer Syphiliserkrankung leidet. Gedächtnisverlust. Halluzinationen. Demenz. Bis zu einem Drittel aller PatientInnen in der Psychiatrie leiden um die Jahrhundertwende an dieser heimtückischen Volkskrankheit.

Römische Spurensuche.

1904 wird Adolf Schiele „aus Gesundheitsrücksichten vom Vorstandsdienst enthoben“, wie in seiner Dienstakte der k. k. Staatsbahnen nachzulesen ist. Da wohnt Egon schon seit zwei Jahren in Klosterneuburg. Kämpft sich mehr schlecht als recht durchs Realgymnasium. Und sieht den geliebten Vater nur mehr an den Wochenenden. Die neuerliche Umwidmung des ehemaligen Frauenstifts wird er nicht mehr erleben. 2001, mehr als acht Jahrzehnte nach seinem frühen Tod, öffnet das Römermuseum im Priorat des ehemaligen Dominikanerinnenstiftes seine Pforten. Mit exemplarischen Funden aus dem Reiterkastell Comagenis, dem Tulln seine lange Geschichte als Handelsstadt verdankt.

 

 

 

Plan Egon Schiele-Weg