Tulln

VII Hauptplatz

Marktplatz oder: Egon und die Standlerinnen

Hier erfahren Sie: Wohin die Tullner zum Einkaufen gingen. Was die Mägde zum Markt trugen. Wo Gotik und Barock aufeinandertrafen. Und woran die Dreifaltigkeitssäule auf dem Hauptplatz erinnern soll.

Tägliches Markttreiben

1317. Der hundertjährige Krieg zwischen Frankreich und England wird erst in zwanzig Jahren beginnen. Es ist die Zeit des aufsteigenden Bürgertums. Und die Zeit der Händler. Tulln ist schon damals ein zentraler Wirtschaftsknotenpunkt. Die mittelalterliche Innenstadt ein großer Markplatz mit Brunnen, Kanalisation und gepflasterten Wegen. Zwei Wochen dauert der erste große Jahrmarkt im 14. Jahrhundert, und fahrende Händler kommen dafür von weit her angereist. Zuerst wird getauscht, gefeilscht und hausiert. Dann wird geschwatzt und gefeiert. Nirgendwo sonst erfährt man so viel darüber, was in der Welt passiert. Nirgendwo sonst werden unter der Hand so viele Gerüchte verbreitet und Klatschgeschichten erzählt. 

Sonntagsspaziergang am Hauptplatz
Hauptplatz, 1910
Geschäft am Hauptplatz
Artilleristen am Hauptplatz
Gasthaus zum goldenen Hirschen, heutiges Volksbank-Gebäude am Hauptplatz
Damenkränzchen im Café, um 1900
Hauptplatz Nordseite
Fronleichnamsumzug, Rathausplatz

Reger Handel.

Sechshundert Jahre später blüht der Handel immer noch auf dem Tullner Hauptplatz. Auch die Familie Schiele schickt ihre Magd zum Bauernmarkt. Die Milchkanne in der Hand. Den großen Einkaufskorb am Arm. So geht sie von Stand zu Stand. Frisches Obst und Gemüse wird dort angeboten. Und Güter des täglichen Gebrauchs. Hölzerne Kochlöffel und eiserne Pfannen. Poliermittel für die edlen Möbel der Herrschaft. Und Schmierseife für den Küchenboden. Später kommen die Hausfrauen zum Einkaufen. Feilschen mit den Standlerinnen, die lautstark ihre Ware anpreisen. Oder wagen einen Blick auf den großen Vieh- und Schweinemarkt, auf dem die Tiere bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts lebend gehandelt werden. 


Historische Architektur.

Mit dem Läuten der Schulglocke wird es noch einmal lebendig. Dann kommen die Volksschulkinder dahergelaufen. Für die historische Architektur am Hauptplatz haben sie keinen Blick: Ein gotisches Haus steht noch hier, das älteste Gebäude am Platz mit einer Nische für das Hauswappen des Stadtrichters. Und ein Renaissancehaus mit rundem Eckturm und venezianischen Zinnen, in dem sich früher eine Gerberei befunden hat. Das Ziel der Dreikäsehochs ist die Dreifaltigkeitssäule, um deren Sockel sich wunderbar Fangen spielen lässt. Errichtet Ende des 17. Jahrhunderts, soll sie an die vielen Pesttoten in Tulln erinnern. Jahre später wird eine andere Epidemie erneut für Tod und Verderben sorgen: die Spanische Grippe, an der auch Egon Schiele, seine Frau und sein ungeborenes Kind sterben werden.

 

Plan Egon Schiele-Weg